Kurzvita

TGrasshoff 86_7  im Garten 4 KopieFritz Grasshoff wurde am 9.12.1913 in Quedlinburg (Harz) als Sohn eines Kapitäns geboren, der an Land gegangen und Kohlenhändler geworden war. Er machte 1933 sein Abitur, lernte als Kirchenmaler und arbeitete als Journalist und Pressezeichner. Von 1939 – 1945 diente er als Soldat, war in Frankreich, lange Zeit in Russland und geriet zum Kriegsende in engliche Gefangenschaft.

Seine erste Frau Hildegard, geb. Follin, heiratete er noch in Quedlinburg. Diese Ehe ging in den Kriegswirren auseinander.

Grasshoff wohnte mit seiner zweiten Frau Roswitha und seinem Sohn Roger von 1946 bis 1967 in Celle (Niedersachsen), zwischendurch verbrachte er mit der Familie fünf Jahre in Schweden, bereiste Griechenland und die Türkei und siedelte 1967 nach Zwingenberg / Bergstraße um. Siebzigjährig wanderte er mit der Familie 1983 nach Kanada aus und lebte in Hudson bei Montreal direkt an den Ufern des Ottawa-Rivers.  1995 erhielt Grasshoff noch einmal eine große Ehrung, er erhielt als Auszeichnung für sein Gesamtwerk das Bundesverdienstkreuz  der Bundesrepublik Deutschland.

Hier in der neuen Heimat am Ottawa-River verstarb der sein Leben lang als Maler und Schriftsteller aus zwei Brunnen nicht nur Wasser, sondern auch Geist und Witz sprühende Künstler am 9. Februar 1997.

nach dem Abitur wurde er Kirchenmaler, arbeitete als Presseredakteur und skizzierte in vielen Blättern Quedlinbzrg und seine Umgebung. Da er zum Militär eingezogen wurde   begann er sein Werk als Pressezeichner im Zweiten Weltkrieg. Aus dieser Zeit stammen sehr realistische Zeichnungen des Soldatenalltags, aber auch sehr lyrische Bilder der russischen Landschaft und der in ihr lebenden Menschen. Er zeigte Gemälde und Zeichnungen seiner Hand erstmals in der Kestner-Gesellschaft Hannover. Es folgten zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und später auch in Kanada, siehe Liste der Ausstellungen.

Grasshoff besitzt aber auch einen Namen als Parodist und Chanson-Autor ( etwa in der geistigen Nachfolge von Villon und Bellmann, dessen Fredmanns Episteln er aus dem Schwedischen übersetzt hat). Viele seiner Lieder z. B: „Nimm mich mit Kapitän auf die Reise“ wurden langlebige Schlager und Evergreens.

Als Autor bekannt geworden ist Grasshoff vornehmlich durch seine „Halunkenpostille“ (über 350.000 verkaufte Exemplare), in der gesammelt ist, was er an Frechem, Bissigem und einfach Lustigem zu Papier brachte. Später kamen unter anderem hinzu „Die klassische Halunkenpostille“ (K&W und DTV) „Übersetztes und Umgehostes aus dem Griechischen und Lateinischen“, Übertragungen von Bellmann-Episteln , sein „Lieder- und Lästerbuch“, das „Haupt- und Gliederbuch“, den „Seeräuberreport“ (DTV), „Philodemos und die Antike Hintertreppe“ (Eremitenpresse), die Chorlieder-Revue „Warehouse:Life“, das Kindermusical „Foxy rettet Amerika“ und sein Roman „Der Blaue Heinrich“.

Seine Bilder waren in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, Schweden und in Kanada zu sehen. Museen, Institutionen, Städte und Privatsammler wie Kunsthalle Hamburg, Lehmbruck-Museum Duisburg, Kestner-Gesellschaft Hannover etc. haben Werke von ihm erworben. Siehe auch die Liste seiner Ausstellungen in Deutschland und in Kanada.

Zusammengefasst kann über Grasshoff gesagt werden, dass er als Maler und Zeichner sehr realistisch  begann, dann eine expressive Phase hatte,  vorübergehend vom Tachismus angesteckt wurde, längere Zeit serielle Neigungen zeigte und schließlich in einer signetisch-chiffrierenden Bildsprache die seinem Schreiben gemäße Form fand. Wegen eines Augenleidens kreierte er eine eigene Bildsprache in seinen „Stegbildern“. Die Anzahl seiner bildgebenden Technilen ist immens, ich kenne kaum eine graphische, zeichnerische und malerische Ausdrucksweise, die er im Laufe seines schöpferischen Werkes nicht angewendet hat.

So wie in seinen Büchern der bildende Künstler Grasshoff seine Dichtung durch Illustrationen kommentiert und komplettiert, so gibt der Literat dem Bildner die Einfälle mit satirischem Duktus. Insbesondere die Gemälde der kanadischen Zeit sind nicht nur impressionistische  Bilderwelten, sondern erzählen dem interessiertem Betrachter kurze Geschichten, geben Fabeln wieder, interpretieren Historien oder umreißen soziale Problemstellungen der heutigen Zeit.

Peter M. Stajkoski